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Clive Chin: Von der 17 North Parade in die Welt hinaus

clive-chin

Teil zwei einer auf Geschichte fokussierten Session an der Reggae University konzentrierte sich auf einen chinesisch-jamaikanischen Produzenten, den der Leiter David Katz als „Einen Mann mit einer Menge musikalischer Geschichte im Gepäck – und trotzdem noch einer großen Zukunft vor sich" beschreibt.

Clive Chin übernahm als Produzent das Randys auf der 17th North Parade von seinem Vater Vincent und befand sich damit geografisch gesehen nicht weit von Winston Rileys Basis auf der Orange Street, von der aus unser vorheriger Gast Johnny Osbourne im Jahr 1969 seinen ersten Hit, „Warrior", veröffentlichte. Clive erzählt wie sein Vater Vincent das Randys, das später bei dem aus New York stammenden Distributor VP eingegliedert wurde, 1958 gründete. Er übernahm den Namen des Radiosenders aus Nashville – Randys – das Tag und Nacht die Musik, die Chin Senior so liebte – Jazz und R&B – spielte.

Der einstige Jukebox Emptier gründete seinen ersten Randys Shop auf der East Street in Downtown Kingston – bis er 1961 ins Zetrum, in die 17th North Parade umzog. Hier schnitt Vincent bedeutsame Aufnahmen wie das Ska Boogie Rico Special (als Abschiedsgeschenk an den großartigen Posaunisten Rico Rodriquez bevor dieser nach England emigrierte) sowie, zusammen mit Lord Creator, die Calypsoversion von „Independent Jamaica" zur Feier der Unabhängigkeit Jamaikas. Creator aus Trinidad „wusste nichts über Unabhängigkeit und musste deswegen zuvor erst einmal kurz aufgeklärt werden".

Der Anbau eines Aufnahmestudios über dem Shop bedeutete für die Chin Familie, den Rocksteady Boom der 60er Jahre zu verpassen, doch bereits 1968 warteten sie schon auf den nächsten neuen Reggaebeat. Neben einigen Aufnahmen der Wailers und Bookings unabhängiger Produzenten wie Lee Perry und Bunny Lee, waren Quincy Jones und der südafrikanische Trompeter Hugh Masekela Gäste des beliebten Musikraums. Clive traf Hugh erst vor kurzem wieder, als er in Südafrika an der Red Bull Music Academy ein Seminar abhielt. Anfang der 70er Jahre folgte Clive seinem Vater in die Fußstapfen des Produzenten. „Das war nicht so schwer, denn er hatte für mich schon alles vorbereitet – er wusste, dass eines seiner Kinder den Grundstein unserer familiären Welt weiterführen würde".

In Zusammenarbeit mit seinen Schulfreunden, dem Engineer Errol Thompson und dem Organisten/melodischen Spieler Horace Swaby AKA Augustus Pablo (ein „netter Typ und good cool brethren") brachte Clive einen Early Dub, melodisch intstrumentalen Hit „Java" heraus. „Zu dieser Zeit wusstest du schon während deines Gefühls während der Aufnahmen, ob der Song ein Hit werden würde oder nicht", sagt Clive. „Der Song wurde von einem Schulfreund von mir, Dennis Wright geschrieben, doch er schaffte es einfach nicht, den Song richtig zu singen. Deswegen entschieden wir uns dazu, den stimmlichen Part wegzulassen und den Riddim zu behalten."

Das Do-it-yourself-Motto bei Randys kam auch für Alton Ellis' Coversong von den Cornelius Brothers, "Too late to turn back now", im Jahr 1972 sehr gelegt. Als der Gitarrist mit dem angestrebten Rhytmus nicht klar kam, ließ Clive den Schlagzeuger Sticky Thompson eine Käsereibe spielen, um den stummen, kräusligen Sound des Songs richtig hinzubekommen!

Heutzutage ist Clive damit beschäftigt, 8500 Räder verlorener Randys-Tapes aus dem Archiv zu dokumentieren und für ihre Veröffentlichung vorzubereiten – darunter unveröffentlichte Aufnahmen von ihm und seinem Vater. Der tragische Tod seines Sohns und Produzenten Joel im letzten Jahr brachte Clive dazu, die Aufnahmen verfügbar zu machen. „Um meinem Jungen alles zu geben, was ich kann, tue ich das, was er von mir wollte", sagt Clive und versucht, seine Tränen zurückzuhalten.

Auf Katzs Anfrage hin spielt Chin exklusiv für das Rototom eine kleine Vorschau aus seinem Archiv – darunter unter anderem die unverkennbare Stimme Gregory Isaacs.

Er sprach zum Schluss noch über das bereits von Tyrone Downey in der Anfangssession angerissene Vermächtnis der chinesisch-jamaikanischen Community im Reggae. Er versprach uns, am heutigen Abend, während seiner Session im Ska Club, den Byron Lee Meilenstein und zu Rocksteady gewandelten chinesischen Folksong „Always Together" anzuspielen.

Angus Taylor | Übersetzt von Alegra Kaczinski

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