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Die unglaubliche Karriere des Johnny Osbourne

ru-osbourne

Die Dienstagssession der Reggae University hatte zwei wichtige Persönlichkeiten der jamaikanischen Musik zu Gast, die bereits in den 70er Jahren zu Bekanntheit gelangten: Clive Chin und Johnny Osbourne.

Osbourne, komplett weiß gekleidet, aber mit blauer Sonnenbrille ausgestattet, wurde von seinem Manager Neil Robertson begleitet, der jedoch an der Diskussion nicht teilnahm. Wie immer setzte sich das Diskussionspanel aus Ellen Koehlings und Pete Lilliy vom Riddim Magazion sowie den Journalisten Pier Tosi und David Katz zusammen – sie leiteten die Debatte. Die Session begann jedoch aufgrund „technischer Schwierigkeiten" zunächst mit fünfzehnminütiger Verspätung.

Johnny begann mit seiner Gesangskarriere in der Kirche und studierte später Musik an der berühmten Alpha Schoolf for Boys – wo ihn seine Mutter hinschickte, da „sie arm war und arbeiten musste, sie konnte nicht jeden Tag auf mich aufpassen". Er lernte auch Trompete spielen - Lenny Hibbert war sein Lehrer - doch wurde von ihm nur demotiviert. „Er hatte ein komische Art als Lehrer. Bei jedem Fehler gab er dir einen Schlag mit dem Drumstick. Wenn es diesen Drumstick nicht gegeben hätte, wäre ich heute vielleicht kein Sänger!"

Er erinnert sich an die Zeit, in der Jamaika ihre Unabhängigkeit erlangte, als eine Zeit großer Freude und Festivitäten. „Viele Worldleader kamen nach Jamaika, es gab Umzugswägen auf den Straßen – für mich als Kind war das alles ein riesiger Zirkus." Doch es war der us-amerikanische R&B, der den jungen Errol Osbourne gefangen nahm – so sehr, dass er seinen Namen „weil er Johnny Mathis so liebte" von Errol zu Johnny änderte.

US-amerikanisches Songwriting inspirierte ihn Mitte der 60er Jahre, während er noch bei den Wildcats (unter anderem mit Tinga Stewart) war, zu seiner ersten 45er Platte „All I Have is Love". Nur 500 Platten dieses Tracks wurden damals gepresst, doch die Neubearbeitungen durch Sonia Pottinger und Coxsone Dodd vom Studio 1 brachten ihm Ende des Jahrzehnts zumindest etwas Ruhm ein. Sein Gesang und seine Songs erregten die Aufmerksamkeit Winston Wrights, der ihn zusammen mit Duke Reid für die Aufnahme des Albums „Come Back Darling" ins Studio brachte – das Album entstand in Zusammenarbeit mit den Sensations, deren Johnny, wie er deutlich betont, nie ein Mitglied war. Als die CD 1969 erschien, musst Johnny Jamaika verlassen und nach Kanada emigrieren, um bei seiner Familie bleiben zu können – diese fürchtete nämlich, dass Johnny Opfer der damals erstarkenden Polizei und ihren Gewaltsmissbrauchs in West Kingston werden könnte.

Nach 10 Jahren Shows mit jamaikanischen Kollegen in kanadischen Clubs – "wir ließen den Reggae zwischen den beliebten Top 40 Songs wie Earth Wind and Fire miteinfließen" – kehrte Johnny 1979 nach Jamaika zurück – er nennt es „seine zweite Ankunft". Osbourne gab Proben und wurde mehrfach von Handlangern des Studio 1 ablgelehnt, doch ihm zufolge ist „Studio 1 das Motown der Reggaemusik und Dodd der Berry Gordy Jamaikas. Bevor ich nicht dort angenommen wurde, fühlte ich mich als ob ich mein musikalisches Ziel noch nicht erreicht hätte." Coxsone nahm ihn herzlich auf und gab ihm vier staubige Tapes älterer Riddims, die er mit seiner Stimme aufpolieren sollte und im Anschluss tatsächlich zu seinem Klassiker-Album „Truths and Rights" wurden.

Mit der Unterstützung Lillys erklärt Osbourne, dass seine Musik eine Antwort auf die politische Situation war, die sich in seiner Abwesenheit höchstens noch verschlimmert hatte. Dennoch ist es ihm wichtig, zu betonen, dass „er niemals für eine bestimmte Partei gewesen wäre. Ich war der Sänger der Bevölkerung. Ich konnte durch sämtliche Nachbarschaften laufen und Tag wie Nacht vor mich hersingen."

In Kanada lernte Johnny einen weiteren Emigranten, Lloyd „Prince Jammy" James kennen und nahm, während er noch für Dodd arbeitete, für ihn das Deep Roots Album „Fallly Ranking" auf. Seine Stimme zog ebenso die Aufmerksamkeit Henry Junjo Lawes auf sich, der ihn bat, ein wenig Lovers Rock Style Musik für England zu produzieren – und gab ihm damit die Möglichkeit zu seinen beiden Hits „Ice Cream Love" und „Fally Lover".

Johnny passte sich der digitalen Revolution in den 80er Jahren ohne Problem an. „Meine kreativen Fähigkeiten fordern mich immer wieder dazu heraus, kreative Dinge zu produzieren. Ich war damals in New York als Sleng Teng herauskam. Ein Freund brachte es mir vorbei. Ich dachte: Ach du Heiliger, was ist das denn bitte?" Das Resultat der Erschrockenheit war der Tune „Buddy Bye" – das, wie er erklärt, aus seinem Wunsch „auf Platz eins zu landen" entstand; er wollte einfach auch mal in die Charts.

Zusammenfassend schließt die Persönlichkeit des Reggae: „Ich bereue nichts, was meine Karriere anbelangt. Meine Stimme ist wie Wein, sie gewinnt mit dem Alter an Qualität." Er beschreibt außerdem seine Rückkehr nach Jamaika im Jahr 2012, um auf Tony Rebels Salute Festival zu performen, als „seine dritte Ankunft". Als er Fragen vom Publikum entgegennimmt, stellt sich zur Qual aller Reggaefans heraus, dass er für ein zweites Album unter dem Namen Coxsone Dodd eine Reihe alter Riddims zusammen mit dem großartigen Rastaschlagzeuger Count Ossie aufgenommen hatte, doch Coxsone die Tapes verloren hat!

Johnny musste uns dann verlassen, um sich für seinen Auftritt auf der Main Stage vorzubereiten. Zuletzt gab er jedem, der ihm musikalisch nacheifern möchte, den folgenden Rat: „Wenn ihr vom Schöpfer ein Talent bekommen habt – nutzt es angemessen!"

Angus Taylor | Übersetzt von Alegra Kaczinski


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