90 Days Left

20anos

Zygmunt Bauman: “Alles, was bereits getan ist, kann zurückgenommen werden"

bauman-crisis

Es ist ein Privileg, live die Fachkenntnisse der Soziologen Zygmunt Bauman und Ignacio Ramonet zu hören. Sie für die Debatte "Krise und Demokratie: Wie uns die Krise ihren Terminplan aufgedrängt hat" zusammenzubringen, ist ein Geschenk für unsere Kenntnis und Hoffnung - geleistet vom Rototom Sunsplash!, welches diesen Dienstag wie immer das soziale Forum gefüllt hat.

"Die Krise der Politik und die Notwendigkeit einer neuen und wahren Demokratie, welche die Menschen repräsentiert und nicht die Geldzinsen und den grössten Profit, war der Dreh- und Angelpunkt dieser Debatte, welche der Direktor von Mediterráneo angeführt hat, José Luis Valencia, und an welcher auch die Soziologin Aleksandra Kania teilgenommen hat.

"Wollen wir zum mutmasslichen Glanz der 90er zurück, der Periode scheinbaren Reichtums, in der die Banken Kredite gaben, die es uns erlaubten, uns in bessere Verbraucher zu verwandeln? Wollen wir, dass das so weitergeht? Sollen wir weiterhin glauben, dass das Problem Teil der Lösung ist, oder sollen wir ein neues System schaffen, welches uns erlaubt, ein neues Lebensmodell zu bilden, eine neue und wahre Demokratie des Volkes, und sich nicht dem Totalitarismus der Märkte zu ergeben?"

Der Professor Zygmunt Bauman, Preisträger des Preises "Príncipe de Asturias" für Kommunikation und Menschlichkeit 2010, findet, "dass eine Trennung stattgefunden hat, ein offensichtlicher Bruch zwischen der Demokratie als legitime vom Volk gewählte Regierung und der internationalen Politik, welche sich dieser Demokratie aufdrängt. "Die Politik befindet sich unter zwei grundsätzlichen Arten von Druck: Dem Druck der Bürger, die gesehen haben, dass das System nicht funktioniert, und dem unhaltbaren und heisshungrigen Druck der Märkte, die die Bevölkerung in kleine Gemeinschaften von Verbrauchern aufteilen und die Rollen ihres Lebens, ihres Konsums und schlussendlich ihr gesamtes Leben kontrollieren wollen.

Die traditionellen politischen Institutionen sind jedes Mal weniger glaubhaft, weil sie nicht dabei halfen, die Probleme zu lösen, mit denen sich die Bürger plötzlich konfrontiert sahen. Die nationalen Demokratien (die vom Volk gewählt wurden) sind kollapsiert, ebenso die von den Märkten aufgedrängten Diktate, die die sozialen Rechte der Personen und ihre Grundrechte verschlingen", argumentiert der polnische Soziologe.

In diesem Sinne stimmt der Direktor von Le Monde Diplomatique mit ihm überein: "Der Terminplan war bereits geschrieben. Vielleicht erscheint die Krise wie ein Schock, wie es die Soziologin Naomi Klein in ihrer Schockdoktrine beschreibt: Man benutzt das Argument der Krise, um zu erreichen, dass der Terminplan des Kapitalismus realisiert werden kann. Wie im Falle von Europa, das auf einigen Prinzipien grundsätzlicher Freiheiten basiert, die bei internationalen Abmachungen wie der von Rom oder Maastricht getroffen wurden.... Diese Abmachungen sahen im Original andere Arten von Freiheiten vor, nämlich nicht die der Bürger, sondern die der Märkte: Freies Zirkulieren von Waren, Inversionen, freier Wechsel. Es wurden Mechanismen kreiert, um die nationalen Demokratien beobachten und in Schach halten zu können; um Programme internationaler Anpassung von einer neuen Körperschaft, welche die Logik des Austritts aus der Krise diktiert, anwenden zu können (wie es zur Zeit in Spanien passiert und vorher in Irland, Portugal oder Griechenland passiert ist): Die Troika wird gebildet vom internationalen Geldfundus, der EU und der europäischen Zentralbank; Institutionen, die nicht demokratisch sind, deren Mitglieder nicht vom Volk gewählt sind; das sind Institutionen, die das Volk nicht repräsentieren. Und diese - unterstützt von einigen Massenkommunikations-Medien, welche als ideologischer Apparat der Märkte agieren und von den Interessen ökonomischer, finanzierender und politischer Gruppen unter Druck geleitet werden - sind die Beauftragten, um Systeme und Hilfsmittel zur Kontrolle zu erschaffen, die die wahre Demokratie reduzieren, welche von der wahren Politik ausgeht, die anscheinend nicht mehr funktioniert und deren Platz deshalb die sozialen Bewegungen einnehmen. Haben wir Bürger die Möglichkeit, die Politik zu rekonstruieren und die Demokratie zu regenerieren? Ich glaube ganz fest daran", schliesst Ramonet ab.

Beim Vortrag "Freie Kommunikation: Unabhängige Medien gegenüber der Krise des Journalismus" wurde ebenfalls die Notwendigkeit einer wahren Demokratie reklamiert, um eine gut informierte Gesellschaft zu haben.

Unter anderem wurde über die nach und nach entstehende Unsicherheit des Arbeitswesens und den Wegfall des traditionellen Journalismus dank oder wegen des Einbruchs des Kommunikationssektors der neuen Technologien mit all seinen Vor- und Nachteilen debattiert. Es wurde auch viel über die Macht der Information und die Notwendigkeit gesprochen, darüber zu informieren, wer hinter diesen Informationen steckt, die wir erhalten.

Moderiert von Ignacio Ramonet, haben Susana Hidalgo von MásPúblico (dem neuen Medium, das nach Stillegung der Zeitung Público von den Arbeitern kreiert wurde), Gonzalo Gárate von Diagonal und Jorge Romero Abuin von Radio Malva teilgenommen.

Ausserdem wurde die Leitung der Waldbrände in Valencia analysiert, in einem Vortrag der Gruppe "Amics de Palenque y Ecologistas en Acción" (Freunde der Einzäunung und Umweltschützer in Aktion).

Und es wurde die aktuelle legale Situation sowie die legale Zukunft der Cannabis-Nutzer angesprochen, in einem interessanten Treffen mit dem Rechtsanwalt Héctor Brotons, dessen Arbeit darin besteht, die Bürgerrechte der Cannabis-Nutzer zu verteidigen, damit in Zukunft juristisch gegen diesbezügliche Verletzungen gehandelt werden kann.

Pilar Robledo | Übersetzt von "Betty" Bettina Becker

news-archive

Videos 2012

banner1

Next Rototom events

MAI
25

Final - European Reggae Contest

@ Komplex N°457 (Zürich, SW)

JUN
1

Northern Lights - 14 years of dancehalls

@ Parco del Cormor (Udine, IT)

JUN
23

Aquasonica

@ Illa Fantasia (Barcelona, ES)

More Events

glam-en


Subscribe Here
Empfange HTML?